KV 53 Museum Gunzenhauser

Als „liedlose Zeit“ haben Musikwissenschaftler die Dekaden um 1700 oft charakterisiert. Es ist richtig, dass zu dieser Zeit deutlich weniger Lieder in Schrift und Druck veröffentlicht wurden als zuvor. Die „liederlose Zeit“ war vor allem eine Zeit der Opernarien, das Lied blieb dem Hausgebrauch vorbehalten und wurde in der Mehrzahl auch nicht schriftlich überliefert. Erst mit der Aufklärung wuchs in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts auch das Liedschaffen einiger Komponisten. Ludwig van Beethovens seiner Missa Solemnis vorangestelltes Motto „Von Herzen – Möge es wieder – Zu Herzen gehen“ darf man auch auf das Liedschaffen von Wolfgang Amadé Mozart anwenden, das deutlich von der Arie unterschieden ist und Sangbarkeit und Schlichtheit der Empfindung in den Vordergrund stellt. Selbstverständlich sind auch manche Lieder zweckgebunden entstanden: Mozart wusste genau um die Wirkungen des bürgerlichen Salons oder die Erhabenheit der Freimaurerversammlungen. „An die Freude“ KV 53 komponierte der 12-jährige Mozart anlässlich der Genesung von einer Krankheit - in diesem ersten von ihm überhaupt erhaltenen Lied entschied sich Mozart noch für eine Generalbassbegleitung. Die anderen Lieder entstammen aus der Wiener Zeit um 1785-87 und legen beredtes Zeugnis ab von Mozarts intensiver Beschäftigung mit dem damals verbreiteten Strophenlied. So ist die „Abendempfindung an Laura“ KV 523 durchkomponiert und durchmisst in jeder Strophe eine neue Tonart, so dass sich viele Stimmungsvarianten in der Melodik ergeben. „Der Zauberer“ KV 472 ist wiederum schlicht und periodisch gehalten, während „Als Luise die Briefe ihres ungetreuen Liebhabers verbrannte“ KV 520 fast einen avantgardistischen Weg beschreitet. Hier entsteht in allerknappster Form eine Art Melodram, eine Vokalfantasie mit jähen Kontrasten im Klaviersatz und aufgebrochener Form. Allein diese vier Lieder beweisen die Vielseitigkeit und Meisterschaft Mozarts auch auf einem Gebiet, das heute immer noch erschlossen werden will und zu überraschenden Hörerfahrungen einlädt.
Text: Alexander Keuk


KV 53, An die Freude
Solisten: Britta Schwarz (Mezzosopran), Christine Schornsheim (Klavier)
Aufnahme am 22. Mai 2019 im Museum Gunzenhausen, Chemnitz

KV 53, An die Freude




KV 53 Schloß Hanstein

Mozart beschäftigte sich zeitweise sehr intensiv mit Fugenkompositionen Johann Seb. Bachs – auf der einen Seite, weil Fugen grad wieder „in“ waren, aber auch weil das „Nannerl“ die Fugen des Wohltemperierten Klaviers faszinierend fand und Wolfgang anhielt Fugen für Sie zu schreiben. So entstanden unter anderem diese Fragmente. Das Fragment der Fuge g-Moll (KV 154) umfasst 30 Takte und bricht dann ab. Das Thema ist stark chromatisch geprägt. Eine spätere Vollendung (durch Schüler etc.) gibt es nicht.

Die beiden Fugenfragmente KV 153 (Es-Dur) beinhalten eine dreistimmige Fuge, welche nach 26 Takten abbricht. Neben diesem Fragment besteht eine Vollendung durch Simon Sechter. Beide Fassungen erklingen.

Von der zweiten Fuge (vermutlich zweistimmig) existieren nur sechs Takte. Diese Fuge ist stark an die erste Fuge und das Fugenfragment KV 154 angelehnt – das erste Thema (Bass) ist chromatisch, das zweite (auftaktig, Quartsprung) klingt stark nach dem Thema des ersten Fragments KV 153. Dieses Fugenfragment endet nach sechs Takten....

 


KV 53, Lied für Sopran & Klavier `An die Freude'
Solisten: Ingo Hoesch (Orgel)
Aufnahme am 20./21.07.2019 im Orgelbaumuseum des Schloß Hanstein, Ostheim vor der Röhn

KV 53, Lied für Sopran & Klavier `An die Freude'




KV 53, „Freude, Königin der Weisen“
Solisten: Barbara Christina Steude (Gesang), Michaela Hasselt (Cembalo), Hildegard Saretz (Cembalo)
Aufnahme am 21. Mai 2017 im Hotel Schloss Rabenstein, Chemnitz

KV 53, „Freude, Königin der Weisen“

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