Stadthalle Ettlingen

Die Aufnahme gibt eine Aufführung des Sommerkonzerts vom 31. Juli 2019 in der Stadthalle Ettlingen wieder, welches die Oekumenische Philharmonie regelmäßig einmal jährlich seit 2013 (jeweils mit einem Wiederholungskonzert im Wohnstift des Augustinum Heidelberg) veranstaltet.



KV 550, Sinfonie Nr. 40 g-Moll
Orchester: Oekumenische Philharmonie
Leitung: Frank Christian Aranowski
Aufnahme am 31. Juli 2019 in der Stadthalle Ettlingen

KV 550, Sinfonie Nr. 40 g-Moll
KV 550, Sinfonie Nr. 40 g-Moll, Molto Allegro
KV 550, Sinfonie Nr. 40 g-Moll, Andante
KV 550, Sinfonie Nr. 40 g-Moll, Menuetto: Allegro
KV 550, Sinfonie Nr. 40 g-Moll, Allegro assai

KV 550 Stadthalle Ettlingen

Es gehört bis heute zu den Geheimnissen Mozarts, was ihn dazu bewog, im Sommer 1788 - innerhalb von nur sechs(!) Wochen - seine drei letzten Symphonien Nr. 39 bis 41 zu schreiben, die den Höhepunkt der klassischen Symphonie überhaupt bezeichnen. Da es normalerweise nicht seiner Art entsprach, Werke (noch dazu in derartigen Dimensionen) ohne Auftraggeber bzw. Aussicht auf eine Aufführung zu komponieren, machte sich nach seinem Tod zunächst die romantische Vorstellung breit, er habe die Symphonien in hoffnungsloser Lage nur für sich selbst oder „für die Ewigkeit“ geschrieben. In der Tat befand sich Mozart zu jener Zeit in einer schweren Krise, die durch Geldsorgen, Depressionen und den Tod seines sechs Monate alten Töchterchens gekennzeichnet war. Ende Juni 1788 schreibt er an seinen Freund Michael Puchberg: „Kommen Sie doch zu mir und besuchen Sie mich; ich bin immer zu Hause; - ich habe in den 10 Tagen daß ich hier wohne mehr gearbeitet als in anderen Logis in 2 Monat, und kämen mir nicht so oft schwarze Gedanken (die ich nur mit Gewalt ausschlagen muß) würde es mir noch besser von Statten gehen …“ In jüngerer Zeit geht man davon aus, dass die Werke entweder für eine später aus mangelndem Publikumsinteresse abgesagte Konzertreihe, eine beabsichtigte Veröffentlichung oder eine geplante, aber letztlich nicht durchgeführte Englandreise konzipiert waren. Eine oder mehrere Aufführungen zu Mozarts Lebzeiten sind sehr wahrscheinlich; es kann aber nicht eindeutig nachgewiesen werden, wann und wo welche der drei Symphonien gespielt wurde.
Mozart schuf nur zwei Symphonien in Moll, nämlich die „kleine“ g-moll-Symphonie Nr. 25 (KV 183) und eben die „große“ g-moll-Symphonie Nr. 40 (KV 550). Letztere trug er in sein chronologisch angelegtes „Verzeichnüß aller meiner Werke“ mit der Datierung „25. Juli 1788“ ein - zunächst noch in der Version ohne Klarinetten, welche dann später in einer zweiten (der hier gespielten) Fassung hinzugefügt wurden. Das Partiturautograph wurde in einem Zuge, ohne Korrekturen in lediglich zwei Arbeitsgängen niedergeschrieben. Offenbar vermochte Mozart das Werk als Ganzes im Gedächtnis zu umfassen, was ein nahezu unbegreifliches Konzentrationsvermögen voraussetzt. Über die Uraufführung und weitere Aufführungen zu Mozarts Lebzeiten ist nichts Konkretes überliefert; frühe Abschriften in verschiedenen Bibliotheken deuten aber darauf hin, dass das Werk schnell eine weite Verbreitung fand. Bereits drei Jahre nach Mozarts Tod wurde die Symphonie in gestochenen Stimmen vom Verleger Johann André in Offenbach / Main veröffentlicht.
Mozarts Zeitgenossen empfanden sehr deutlich, dass sich seine Musik von allem unterschied, was man damals hören konnte. Obwohl kaum jemand bezweifelte, dass Mozart der größte Komponist seiner Zeit war, gab es viele Äußerungen, die auf eine Überforderung, ja sogar eine gewisse Verstörung der Zuhörer durch die Dichte der musikalischen Aussage und die aufwühlende Wirkung der Klangsprache hinweisen. So sei seine g-moll-Symphonie „…feurig…tief bewegt…furchtbar schön … schwärmerisch … das große Gemälde einer leidenschaftlich ergriffenen Seele, die vom Wehmütigsten bis zum Erhabensten übergehet…“ Man stellte sich die Frage: Soll und darf Musik überhaupt solches sagen? Noch mehr als fünfzig Jahre nach Mozarts Tod schreibt der einflussreiche Mozart-Biograph Alexander Ulibischeff: „In der Symphonie erreicht Mozart den höchsten Grad von Feuer, Energie, Leidenschaft und Begeisterung. Hier finden sich verwegene, zuweilen unordentliche und excentrische Modulationen, die man sonst nicht bei Mozart trifft; es erscheinen Verbindungen und Gegensätze von Ideen, welche das Ohr verblüffen, Wunder des Kontrapunkts und der Harmonie, die noch kein Musiker uns wiederholt hat oder wiederholen wird. Wissen und Ausdruck sind hier auf den höchsten Gipfel gebracht.“ Der berühmte Mozart-Forscher Alfred Einstein (befreundet, aber nicht verwandt mit Albert Einstein) schreibt 1942: „Denn diese Durchführungen sind Stürze in den Abgrund der Seele, symbolisiert in modulatorischen Kühnheiten, die den Zeitgenossen als Entgleisungen vorkommen mussten, aus denen nur Mozart selber wieder auf den Weg der Vernunft finden konnte. Es ist seltsam genug, wie leicht die Welt sich abfand mit einem solchen Werk und es sogar als Dokument ‚griechisch schwebender Grazie‘ charakterisieren konnte: was höchstens von dem himmlisch beruhigten Andante gelten mag und dem Trio des sonst so heroisch hoffnungslosen Menuetts.“ Und der schweizerische Musikwissenschaftler Eric Blom bemerkt 1935 treffend: „Wir sind bei Mozarts pathetischer Symphonie angelangt. (…) In Mozarts g-moll-Symphonie offenbart sich unglückliche Erschütterung, weil der Komponist seine Inspiration in dieser Weise ausdrücken musste, nicht aber, weil der die Zuhörer mit seinen Privatangelegenheiten behelligen wollte. (…) Man kann die g-moll-Symphonie tatsächlich als das Werk bezeichnen, in dem sich Klassizismus und Romantik auf einmalige Weise berühren, wobei ein absolutes Gleichgewicht herrscht und keines von beiden das geringste Übergewicht bekommt. In dieser Hinsicht ist sie bestimmt das vollkommenste Musikstück.“

Text: Frank Christian Aranowski

Oekumenische Philharmonie

Die Oekumenische Philharmonie (www.oekphil.de) wurde 2006 gegründet und hat sich bereits seit einigen Jahren im Kulturleben der Regionen Karlsruhe und Heidelberg etabliert. In dem Orchester versammeln sich hervorragende Berufsmusiker aus dem gesamten deutschsprachigen Raum, die als Angehörige unterschiedlicher christlicher Konfessionen ihr Musizieren wesentlich als Ausdruck des Gotteslobes und ihres persönlichen Glaubens begreifen. Unter der Leitung des Orchestergründers Frank Christian Aranowski treten die Orchestermitglieder, die zum großen Teil in namhaften Spitzenorchestern ihren Dienst taten oder noch tun, regelmäßig zu mehreren jährlichen Arbeitsphasen zusammen und faszinieren regelmäßig Publikum und Presse. "Begeisterndes Orchester", "exzellent besetztes Ensemble", "künstlerische Geschlossenheit", "hochkarätiger Musikgenuss", "in feinsten Nuancierungen", "der Vollendung ziemlich nahe"..."mustergültige Interpretation", es "stimmt ...einfach alles" – mit diesen und ähnlichen Formulierungen wurden die Aufführungen des Orchesters bisher bedacht (Quelle: Feuilleton der Rhein-Neckar-Zeitung und Badische Neueste Nachrichten).

Text: Frank Christian Aranowski

Frank Christian Aranowski

Frank Christian Aranowski wurde in Berlin geboren und erhielt seinen ersten Musikunterricht im Alter von sieben Jahren. Er hospitierte viele Jahre in der Berliner Philharmonie bei Proben und Konzerten der bedeutendsten Orchester und Dirigenten, insbesondere der Berliner, Philharmoniker sowie Claudio Abbado, Sergiu Celibidache, Carlo Maria Giulini, Nikolaus Harnoncourt und Lorin Maazel. Bereits vor seinem Studium leitete er mehrere Jahre die Arndter Sinfonietta in Berlin und begleitete diese auf einer China-Tournee. Er studierte an der Hochschule Mozarteum in Salzburg Orchesterdirigieren bei Michael Gielen sowie Chorleitung bei Walter Hagen-Groll und Karl Kamper und konnte seine Ausbildung „mit ausgezeichnetem Erfolg“ abschließen. Für seine wissenschaftliche Arbeit über ein Werk Bartóks bekam er den Titel eines Magister artium verliehen. Er belegte Kurse u. a. bei Rupert Huber, Howard Arman, Péter Eötvös, Peter Gülke und Nikolaus Harnoncourt und arbeitete mit Berufsorchestern im In- und Ausland zusammen.
Seit 2000 ist er als Chor- und Orchesterleiter im Raum Karlsruhe / Rhein-Neckar tätig. Mit der Gründung der Oekumenischen Philharmonie erfüllte er sich den Traum von einem professionellen Symphonieorchester, dessen Mitglieder ihr Musizieren auch als Ausdruck des Gotteslobes und ihres persönlichen Glaubens begreifen.