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KV 330
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Die C-Dur-Sonate KV 330 schrieb Mozart im Sommer 1783. Waren seine Sonaten etwa fünf Jahre zuvor noch von tragischen Schicksalsschlägen wie dem Misserfolg beim Publikum während seines Paris-Aufenthalts, dem Tod seiner Mutter sowie der Zurückweisung durch seine Geliebte Aloysia Weber beeinflusst, so lag nun auf der C-Dur-Sonate keinerlei Schatten mehr. Mozart hatte den Tod seiner Mutter ebenso verwunden wie den Treuebruch Aloysias und war inzwischen mit ihrer jüngeren Schwester Konstanze verheiratet – sehr zum Unmut seines Vaters, von dem er sich mittlerweile jedoch auch emanzipiert hatte.
In dieser nun wieder harmonischen Lebensatmosphäre komponierte Mozart also die heiter verspielte und mit einem idyllischen Charakter ausgestattete C-Dur-Sonate KV 330 in drei Sätzen.
Der erste Satz „Allegro mo-derato“ gleicht einer Perlen-kette köstli-cher, zwanglos aneinandergereihter Einfälle und liebenswürdiger Gesten. Die Sonatenhauptsatzform ist nicht vollständig gewahrt, da Mozart auf eine Durchführung zur Verarbeitung des Materials aus der Exposition verzichtet und sie durch ein lyrisches Intermezzo mit neuem Themenmaterial ersetzt. Die Reprise gleicht bis auf die tonartlichen Veränderungen der Exposition, wobei ihr ein Epilog, bestehend aus Themengestalten des Mittelteils, angehängt ist.
Der zweite Satz „Andante cantabile“: ist eines der bezaubernsten „Gesangstücke“ für Klavier, die Mozart geschrieben hat. Das Stück steht in einer dreiteiligen Liedform, wobei allerdings ihr Mittelteil eine Mischform zwischen einem eigenständigen Liedteil und einer Durchführung darstellt. Insgesamt zieht dieser Satz seine Spannung aus dem Kontrast von F-Dur und f-moll, während seine schöne, gesangliche Melodie durch schmerzliche Modulationen geführt wird und schließlich in einem kleinen Nachspiel in klarem, mildem Dur endet.
Das Finale „Allegretto“:
ist, genauso wie der erste Satz, eine lockere Aneinanderreihung gefälliger Themen in angedeuteter Sonatenhauptsatzform, da statt einer Durchführung ein neuer selbstständiger Gedanke in Form eines an ein Kinderlied erinnernden Themas in simplen Terzparallelen erscheint. Im durchweg vorherrschenden Grundklang der heiteren Laune schließt dieser dritte Satz die unbeschwerte Sonate fröhlich, aber bestimmt ab.
[Quellen: 1. Harenberg Klaviermusikführer; 2. Reclams Klaviermusikführer
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2KV 317 Langenfeld Erlöserkirche
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Die festlich und reich angelegte Messe in C-dur KV 317 gilt als eine der bekanntesten Messen Mozarts. Sie wurde von Mozart bald nach Antritt seines Dienstes als Hoforganist beim Salzburger Erzbischof komponiert. Der Erzbischof hatte dringend Konzentration gefordert. Das auf der ersten Seite der Niederschrift von ihm eigenhändig vermerkte Datum: „23 di marzo 1779" legt mit großer Wahrscheinlichkeit nahe, dass sie im Hinblick auf die Osterfeiertage am 4. und 5. April dieses Jahres entstanden ist und aufgeführt wurde.
Der Beiname „Krönungsmesse" war ursprünglich mit einer Erinnerungsfeier an die Krönung des Gnadenbildes von Maria Plain, einem bei Salzburg gelegenen Wallfahrtsort, in Verbindung gebracht worden. Den Forschungen Karl Pfannhausers ist jedoch der überzeugende Nachweis zu verdanken, dass die Messe höchstwahrscheinlich zu den Kompositionen gehörte, die bei einer der beiden Krönungsfeierlichkeiten in Prag aufgeführt wurden - entweder 1791 für Leopold II. oder aber, nach dessen plötzlichem Tod, 1792 für seinen Nachfolger Franz II.
Mozart hat die „Krönungsmesse“ KV 317 mit einer besonders farbigen Instrumentation ausgestattet. An festlichem Schwung, an Kontrastreichtum, an Vielfalt der auf engstem Raum entwickelten musikalischen Gedanken übertrifft die "Krönungsmesse" die meisten ihrer Vorgänger. Der berühmteste Satz der Messe ist das Agnus Dei.
Die Geschlossenheit der Form, die fast volkstümliche Eingängigkeit des Melodischen und die sinfonische Strukturierung verbinden sich in dieser Messe zu einer Einheit. - Text von Volker Raettig -
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KV 317 Langenfeld Erlöserkirche
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Text und Übersetzung der Krönungsmesse
Kyrie eleison<<< Herr, erbarme dich (unser)
Christe elesion <<< Christus, erbarme dich (unser)
Kyrie eleison <<<< Herr, erbarme dich (unser)
Gloria in excelsis Deo<<< Ehre sei Gott in der Höhe
Et in terra pax hominibus bonae <<< und Friede auf Erden den Menschen
Voluntatis.<<< seiner Gnade.
Laudamus te,<<< Wir loben dich,
benedicimus te <<< wir preisen dich,
adoramus te, <<< wir beten dich an.
glorificamus te.<<< Wir rühmen dich
Gratias agimus tibi<<< wir danken dir,
propter magnam gloriam tuam.<<< denn groß ist deine Herrlichkeit.
Domine Deus rex caelestis,<<< Herr Gott, König des Himmels,
Deus pater omnipotens.<<< Gott, allmächtiger Vater.
Domine fili unigenite <<< Herr, eingeborener Sohn,
Jesu Christe, <<< Jesus Christus.
Domine Deus, agnus Dei, <<< Herr und Gott, Lamm Gottes,
filius patris.<<< Sohn des Vaters,
Qui tollis peccata mundi,<<< der du trägst die Sünden der Welt,
miserere nobis. <<< erbarme dich unser.
Qui tollis peccata mundi,<<< Der du trägst die Sünden der Welt,
Suscipe deprecationem nostram. <<< nimm an unser Gebet.
Qui sedes ad dexteram patris,<<< Du sitzest zur Rechten des Vaters,
miserere nobis. <<< erbarme dich unser.
Quoniam tu solus sanctus,<<< Denn du allein bist der Heilige,
tu solus Dominus,<<< du allein der Herr,
tu solus altissimus,<<< du allein der Höchste,
Jesu Christe,<<< Jesus Christus.
Cum sancto spiritu <<< Mit dem heiligen Geist
In gloria Dei Patris. Amen.<<< Zur Ehre Gottes des Vaters, Amen.
Credo in unum Deum, <<< Ich glaube an den einen Gott,
patrem omnipotentem,<<< den Vater, den Allmächtigen,
Factorem caeli et terrae, <<< der Himmel und Erde geschaffen
visibilium omnium <<< die sichtbare
et invisibilium.<<< und die unsichtbare Welt,
Et in unum Dominum <<< und an den einen Herrn
Jesum Christum,<<< Jesus Christus,
filium Dei unigenitum,<<< Gottes eingeborenen Sohn,
Et ex patre natum <<< aus dem Vater geboren
ante omnia saecula.<<< vor aller Zeit.
Deum de Deo, <<< Gott von Gott,
lumen de lumine, <<< Licht vom Licht,
Deum verum de Deo vero, <<< wahrer Gott vom wahren Gott,
genitum, non factum, <<< gezeugt, nicht geschaffen,
consubstantialem patri: <<< eines Wesens mit dem Vater:
per quem omnia facta sunt. <<< Durch ihn ist alles geschaffen.
Qui propter nos homines <<< Für uns Menschen
Et propter nostram salutem <<< und zu unserem Heil
Descendit de coelis. <<< ist er vom Himmel herabgestiegen.
Et in carnatus est <<< Er hat Fleisch angenommen
De Spiritu sancto <<< durch den heiligen Geist
Ex Maria virgine <<< von der Jungfrau Maria
Et homo factus est.<<< Und ist Mensch geworden.
Crucifixus etiam pro nobis, <<< Er wurde für uns gekreuzigt
Sub Pontio Pilato,<<< unter Pontius Pilatus,
Passus et sepultus est, <<< hat gelitten und ist begraben worden,
et resurexit tertia die <<< ist am dritten Tag auferstanden
secundum scripturas, <<< gemäß der Schrift,
et ascendit in caelum, <<< und ist aufgefahren in den Himmel,
sedet ad dexteram patris, <<< er sitzt zur Rechten des Vaters,
et iterum venturus est <<< von dort wird er kommen
cum Gloria,<<< in Herrlichkeit,
judicare vivos et mortuos,<<< zu richten die Lebenden und die Toten,
cujus regni non erit finis. <<< Seiner Herrschaft wird kein Ende sein.
Et in spiritum sanctum, <<< Wir glauben an den heiligen Geist,
Dominum et vivificantem:<<< der Herr ist und lebendig macht:
Qui ex patre filio que <<< der aus dem Vater und dem Sohn
Procedit, <<< hervorgeht.
Qui cum patre et filio <<< Der mit dem Vater und dem Sohn
Simul adoratur <<< angebetet
Et conglorificatur, <<< und verherrlicht wird,
qui locutus est <<< der gesprochen hat
per prophetas. <<< durch die Propheten.
Et unam sanctam catholicam <<< Und an die eine heilige katholische
apostolicam ecclesiam, <<< und apostolische Kirche.
Confiteor unum baptisma <<< Wir bekennen die eine Taufe
In remissionem peccatorum, <<< zur Vergebung der Sünden
Et exspecto <<< und erwarten
Resurrectionem mortuorum, <<< die Auferstehung der Toten
Et vitam venturi saeculi <<< und das ewige Leben.
Amen. Amen.
Sanctus, sanctus, sanctus <<< Heilig, heilig, heilig
Dominus Deus Sabaoth. <<< Gott, Herr aller Mächte und Gewalten.
Pleni sunt coeli et terra <<< Erfüllt sind Himmel und Erde
Gloria tua. <<< Von deiner Herrlichkeit.
Hosanna in excelsis. <<< Hosanna in der Höhe.
Benedictus, qui venit <<< Hochgelobt sei, der da kommt
In nomine Domini. <<< Im Namen des Herrn.
Hosanna in excelsis. <<< Hosanna in der Höhe.
Agnus Dei, <<< Lamm Gottes,
qui tollis peccata mundi: <<<< der du trägst die Schuld der Welt:
miserere nobis. <<< Erbarm dich unser
Dona nobis pacem. <<< Gib uns deinen Frieden.
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KV 321 Bergheim St. Gereon
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Außer dem Cibavit eos KV 46, das heute eher zu den nicht originalen Mozart-Werken gerechnet wird, ist uns von Mozart kein Introitus erhalten. Da jeder Introitus auch Psalmverse enthält, haben wir an diese Stelle eine Psalmvertonung aus seiner ersten Vesper gesetzt, das Laudate pueri aus den Vesperae de Dominica KV 321 aus dem Jahr 1779. Traditionsgemäß wird dieser Vesperpsalm im stile antico vertont. Alfred Einstein schreibt, dass niemand Mozart kenne, der nicht solche Stücke von ihm kennt. „Ein Chorsatz von vollendet motettenhaftem Charakter, mit strengem Kanon a cappella beginnend, dann freier und freier strömend.
Text aus Psalm 113 in Latein und Deutsch
Laudate pueri Dominum,>>> Lobet, ihr Kinder, den Herrn,
laudate nomen Domini.>>> lobt den Namen des Herrn.
Sit nomen Domini benedictum>>> Der Name des Herrn sei gepriesen
ex hoc nunc et usque in saeculum.>>> von nun an bis in Ewigkeit.
A solis ortu usque ad occasum Vom Aufgang der Sonne bis zum Unter-
laudabile nomen Domini.>>> gang sei gelobt der Name des Herrn.
Excelsus super omnes gentes Dominum, et super coelos gloria ejus.>>> Hoch über alle Völker ist der Herr, über die Himmel seine Herrlichkeit.
Quis sicut Dominus Deus noster, qui in altis habitat, et humilia respicit >>> Wer ist wie der Herr, unser Gott, der in den Höhen wohnt und auf das Geringe herabsieht
in caelo et in terra?>>> im Himmel und auf Erden?
Suscitans a terra inopem,>>> Er erhebt von der Erde den Schwachen
et de stercore erigens pauperem,>>> und aus dem Schmutz erhöht er den Armen.
ut collocet eum cum principibus, cum principibus populi sui.>>> um ihn einen Platz zu geben bei den Fürsten, bei den Fürsten seines Volkes.
Qui habitare facit sterilem in domo, matrem filiorum laetantem.>>> Er lässt die Unfruchtbare wohnen im Hause, als frohe Mutter ihrer Kinder.
Gloria Patri et Filio>>> Ehre sei dem Vater und dem Sohn
et Spiritui Sancto,>>> und dem Heiligen Geist,
sicut erat in principio et nunc et semper, et in saecula saeculorum. >>> wie es war im Anfang, so auch jetzt und allezeit, und von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Amen.>>> Amen.
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KV 317 Langenfeld St. Josef
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Krönungsmesse Mozart
Im Januar 1779 nahm Mozart seinen Dienst als Hoforganist des Salzburger Erzbischofs auf, den er bis zu seiner Reise nach München im November 1780 versah. In diesen beiden letzten Salzburger Jahren entstand u.a. die Messe in C-Dur KV 317, wohl Mozarts volkstümlichste Kirchenkomposition; gehört sie doch zu den bekanntesten Messvertonungen überhaupt.
Die Bezeichnung „Krönungsmesse“ findet sich erst im Jahre 1873. Wie viele andere populär gewordene Werktitel hat also auch Mozarts „Krönungsmesse“ ihren Namen der Nachwelt zu verdanken.
Schon im knappen, ouvertürenhaften „Kyrie“ mag der unvermittelte Übergang vom festlich geprägten Duktus des Eröffnungschors, der die Assoziation an eine Krönungsfeierlichkeit erleichtert haben mag, zur lyrisch-empfindsamen Melodik der Solostimmen den Hauptgrund für die allgemein verständliche Sprache des Werkes zu liefern. Das „Christe eleison“ stellt dann – auf zwei Takte reduziert – lediglich eine Mollvariante des liedhaften Duettierens von Sopran- und Tenor-Solo dar. Im „Gloria“, durchgehend im ¾-Takt gehalten, steht das Solistenquartett meist geschlossen dem Chor gegenüber. Auch im „Credo“ wird den Solisten wenig Raum gegeben. Den einzigen Ruhepunkt in der rondoartigen Anlage, die mit dem abschliessenden „Credo“-Ruf einen textlichen Rahmen aufweist, bildet das harmonisch freie „Et in carnatus est“.
Das rein chorisch besetzte „Sanctus“ erweist sich mit seiner Tempobezeichnung und dem punktierten Rhythmus als dem „Kyrie“ eng verwandt. Dazu kontrastiert das gelöst heitere Soloquartett im „Benedictus“. Mit einer Vorwegnahme der Arie „Dove sono“ aus „Die Hochzeit des Figaro“ beginnt das „Agnus Dei“ An diese Sopran-Arie schliesst sich das „Dona nobis pacem“, eine Reminiszenz an den lyrischen „Kyrie“-Mittelteil, an.
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2KV 339 Herfort Münster
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VESPERAE SOLENNES DE CONFESSORE
Text von Dr. Hans-Detlef Hoffmann Herford
Neben den fast zwanzig Messen, die Mozart in Salzburg für den Gottesdienst an Sonn- und Feiertagen komponiert hat, nehmen sich die drei Vespern KV 194, KV 321 und KV 339, die für Abendgottesdienste am Vorabend besonderer Feiertage entstanden, zahlenmäßig zwar bescheiden aus, doch an Bedeutung gehören sie fraglos zu den „großen“ kirchenmusikalischen Hauptwerken des Komponisten.
Textgrundlage jeder Vesper bilden traditionell fünf alttestamentliche Psalmen (Psalm 110, 111, 112, 113 und 116), die durch einen neutestamentlichen, das Magnificat, den Lobgesang der Maria aus Lukas 1,46-55 beschlossen werden.
Die Vesperae solennes de Confessore entstanden 1780 für einen nicht näher bezeichneten und daher nicht exakt datierbaren feierlichen Vespergottesdienst im Salzburger Dom zum Fest eines Bekenners oder Heiligen. Die Tonartenfolge der sechs Sätze (C-Es-G-d-F-C) erweist das Gesamtwerk als einheitlich konzipierten Zyklus, wobei Dixit (Psalm 110) und Magnificat musikalisch und theologisch einander zugeordnet wie Verheißung und Erfüllung den Rahmen bilden.
Mozart hat den biblischen Psalmtext sehr ernst genommen und musikalisch meisterhaft ausgedeutet. Obwohl der Vokalsatz der Chorstimmen in den Orchestersatz als tragende Schicht „eingebaut“ erscheint und die Komposition insgesamt nach „symphonischen“ Gesetzen verläuft, werden Sonaten- oder Fugenform doch ganz in den Dienst der eindringlichen Textauslegung gestellt. So ist das Confitebor (Satz 2) ein freier Sonatensatz mit einer überraschend verfrühten, gleichsam „erschreckenden“ Scheinreprise zu den Worten Sanctum et terribile („Heilig und furchtbar ist sein Name“). Der „Irrtum“ wird später durch die (verkürzte) „richtige“ Reprise korrigiert, die nun passenderweise zu den Worten Sicut erat in principio („Wie es war im Anfang...“) erklingt.
Stark kontrastierend hat Mozart die beiden Binnensätze angelegt, die beide mit dem Aufruf zum Lob Gottes Laudate beginnen. Im Laudate pueri lobt die Gemeinde in feierlicher Polyphonie Gottes Majestät – und stellt in seiner strengen Kontrapunktik wohl Mozarts großartigste Vokalfuge dar. Ihr lapidares Thema, dessen „Stammbaum“ über Bach (Thema des Musikalischen Opfers!) und Händel (And with his stripes aus dem Messiah) hinaus weit zurückverfolgt werden kann, entspricht einem barocken Thementyp, den Mozart noch mehrfach, z.B. in Adagio und Fuge für Streichquartett KV 546 und dann in der Kyrie-Fuge seines Requiems KV 626 zitiert hat. Ein in der Oktavskala absteigendes Gegenthema deutet mit dem Psalmtext auf den Gott, der in der Höhe thront und das Tiefe erschaut, der in Christus zur Erde herabkam und Mensch wurde.
Den folgenden Satz Laudate Dominum vertont Mozart dagegen als inniges Gebet einer Einzelstimme: Ein wunderbar schwebendes Sopransolo stimmt über einer lautenähnlichen Begleitung einen schlichten Gesang an. Die weitgespannte Melodie von klassischer Schönheit wird dreimal fast unverändert vorgetragen: zunächst vom Orchester, dann vom Solosopran und schließlich noch einmal vom Chor der Gemeinde, der vom dahinströmenden Gesang der Solistin ergriffen leise hinzutritt und in den innigen Lobpreis Gottes einstimmt. Der ganze Satz, der Gottes Erbarmen und Treue so überschwänglich-verinnerlicht preist, ist eine einzige Apotheose des Gesangs, wie sie Mozart später nur noch einmal im Et incarnatus est seiner letzten, unvollendeten Messe in c-moll KV 427 komponiert hat.
Das abschließende festliche Magnificat ist in ausgeführter Sonatenform komponiert: Auf eine langsame Einleitung, die Gottes erhabene Majestät verkündigt, folgt in den ersten 28 Allegro-Takten die Exposition mit drei profilierten, voneinander abgegrenzten thematischen Bereichen entsprechend Haupt-, Seiten- und Schlussthema einer Symphonie. Das Hauptthema wird Mozart später in seinem Todesjahr in seiner letzten symphonischen Komposition, der Ouvertüre zur Oper La Clemenza di Tito wörtlich zitieren. Das Jauchzen über Gott im Geist, von dem der Text redet, wird in dieser Musik kongenial zum Ausdruck gebracht.
Nach einer modulierenden Durchführung werden die Themen in der Reprise beginnend mit dem Text Suscepit Israel („Er nimmt sich seines Knechtes Israel an“) komplett wiederholt. Auch hier liegt die Deutung auf der Hand: Der Gott, der sich in seinem Erbarmen seines Volkes Israel annimmt, ist kein anderer als der, den Maria im Geist erhoben und großgemacht hat. Die lange Coda des Satzes ist besonders breit und ausführlich ausgeführt und deutet so den Text aus, der von der Ewigkeit redet: et nunc et semper et in saecula saeculorum.
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2KV 339 Herfort Münster
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Vesperae solennes de confessore
Interlinearübersetzung: Dr. Hans Detlef Hoffmann Herford
I. Dixit Dominus (Psalm 110)
Dixit Dominus >>> Es sprach der HERR
Domino meo: >>> zu meinem Herrn:
sede a dextris meis, >>> setze dich zu meiner Rechten,
donec ponam inimicos tuos >>> bis ich lege deine Feinde
scabellum pedum tuorum. >>> zum Schemel deiner Füße.
Virgam virtutis tuae >>> Das Zepter deiner Macht
emittet Dominus ex Sion: >>> streckt der HERR aus Zion aus:
dominare in medio >>> zu herrschen inmitten
inimicorum tuorum. >>> deiner Feinde.
Tecum principium >>> Bei dir ist die Herrschaft
in die virtutis tuae, >>> am Tag deiner Macht
in splendoribus sanctorum: >>> im Glanz der Heiligen:
ex utero >>> aus dem Schosse
ante luciferum>>> (vor) der Morgenröte
genuite. >>> habe ich dich gezeugt.
Juravit Dominus >>> Geschworen hat der HERR
et non poenitebit eum: >>> und es wird ihn nicht gereuen:
Tu es sacerdos in aeternum >>> Du bist Priester auf ewig
secundum ordinem >>> nach der Ordnung
Melchisedech. >>> Melchisedeks.
Dominus a dextris tuis >>> Der HERR ist dir zur Rechten:
confregit in die irae suae >>> er wird zerschmettern am Tage
reges. >>> seines Zornes Könige.
Judicabit in nationibus, >>> Er wird richten über die Völker,
implebit ruinas; >>> er wird Leichen aufhäufen:
conquassabit capita >>> er wird zertrümmern die Häupter
in terra multorum. >>> vieler auf der Erde.
De torrente in via bibet: >>> Aus dem Bach am Wege trinkt er:
propterea exaltabit caput. >>> deswegen wird er das Haupt erheben.
Gloria Patri, et Filio, >>> Ehre sei dem Vater und dem Sohn
et Spiritui Sancto. >>> und dem Heiligen Geist,
Sicut erat in principio, >>> wie es war im Anfang,
et nunc et semper, >>> jetzt und immerdar
et in saecula saeculorum. >>> und von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Amen.>>> Amen.
II. Confitebor (Psalm
Confitebor tibi Domine,>>> Ich will preisen dich, HERR,
in toto corde meo, >>> aus meinem ganzen Herzen:
in consilio justorum, >>> in dem Rate der Gerechten
et congregatione. >>> und in der Gemeinde.
Magna opera Domini, exquisita in >>> Groß sind die Werke des HERRN:
omnes>>> hervorragend für alle,
voluntates ejus. >>> die ihm zu Willen sind.
Confessio et magnificentia >>> Bekenntnis und Kraft
opus ejus: >>> ist sein Werk:
et justitia ejus manet >>> und seine Gerechtigkeit währt
in saeculum saeculi.>>> von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Memoriam fecit >>> Ein Denkmal hat er aufgerichtet
mirabilium suorum: >>> seiner Wunder,
misericors et miserator >>> der Gnädige und Barmherzige
et justus: >>> und Gerechte:
escam dedit timentibus se. >>> Speise gibt er denen, die ihn fürchten.
Memor erit in saeculum >>> Erinnerung wird sein ewig
testamenti sui.>>> seines Bundes.
Virtutem operum suorum >>> Die Macht seiner Werke
annuntiabit populo suo. >>> hat er verkündet seinem Volk.
Ut det illis hereditatem gentium: >>> Er schenkt ihnen das Erbe der Völker:
opera manuum ejus >>> die Werke seiner Hände
veritas et judicium. >>> sind Wahrheit und Recht.
Fidelia omnia mandata ejus: >>> Zuverlässig sind alle seine Gebote:
confirmata in saeculum saeculi, >>> sie stehen fest für alle Ewigkeit;
facta in veritate et aequitate. >>> erlassen sind sie in Wahrheit und Redlichkeit.
Redemptionem misit Dominus >>> Der HERR hat Erlösung gebracht
populo suo: >>> seinem Volk:
mandavit in aeternum >>> er vertraute ihm auf ewig
testamentum suum. >>> seinen Bund an.
Sanctum et terribile >>> Heilig und ehrfurchtgebietend
nomen ejus: >>> ist sein Name:
initium sapientiae >>> der Weisheit Anfang
timor Domini. >>> ist die Furcht des HERRN.
Intellectus bonus >>> Rechte Einsicht
omnibus facientibus eum: >>> haben alle, die sie üben:
laudatio ejus manet >>> sein Lobpreis dauert
in saeculum saeculi. >>> von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Gloria Patri, ... etc. >>> Ehre sei dem Vater ... etc.
III. Beatus vir (Psalm 112)
Beatus vir >>> Glücklich ist der Mann,
qui timet Dominum: >>> der den HERRN fürchtet:
in mandatis ejus volet nimis. >>> der seine Gebote eifrig befolgt.
Potens in terra erit >>> Mächtig werden sein auf Erden
semen ejus: >>> seine Nachkommen:
generatio rectorum >>> das Geschlecht der Gerechtfertigten
benedicetur. >>> wird gesegnet.
Gloria et divitiae >>> Ruhm und Reichtum
in domo ejus: >>> ist in seinem Haus:
et justitia ejus >>> und seine Gerechtigkeit
manet in saeculum saeculi. >>> währt von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Exortum est in tenebris >>> Aufgegangen ist in der Dunkelheit
lumen rectis: >>> ein Licht für die Gerechtfertigten:
misericors, et miserator, >>> der Liebevolle, der Barmherzige
et justus. >>> und der Gerechte.
Jucundus homo >>> Angenehm ist der Mensch,
qui miseretur et commodat; >>> der sich erbarmt und sich gefällig erweist,
disponet sermones suos >>> der seine Worte ordnet
in justitia: >>> nach dem Rechte:
quia in aeternum >>> deshalb wird er auf ewig
non commovebitur.>>> nicht wanken.
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